Interview mit einem Vampir...schriftsteller

Was war die erste Geschichte, die Sie geschrieben haben und warum?
Die erste richtige Geschichte, an die ich mich erinnern kann war ein Aufsatz in der 6.Klasse: Wir waren umgezogen und ich fühlte mich in der neuen Schule nicht wohl. Im Deutschunterricht las ein Junge dann einen niedlichen Aufsatz über ein Hundebaby vor und bekam viel Applaus. Das wollte ich auch - und ich schrieb ein echt spannendes Bergsteiger-Epos - bekam auch Applaus, allerdings nicht von dem alten Lehrer. Der glaubte mir nicht, dass ich es selbst geschrieben hätte und fand es auch zu reißerisch. Also zog ich mich gänzlich zurück in dieser feindlichen Umgebung ... und schrieb Geschichten für mich selber, Geschichten als Ersatzheimat.


Warum ist James ausgerechnet eine Kakerlake?
Ich suchte einen tierischen Held, aber nicht so einen, der literarisch schon aus- und abgenutzt war, wollte lieber ein Tier in den Mittelpunkt rücken, das bislang literarisch und sowieso eher ein Schattendasein führt. Außerdem sind Kakerlaken ideale Agenten: Unzerstörbar, reaktionsschnell, fast unsichtbar......


Beschreiben Sie James K in 3 Sätzen.
James K. ist ein Anti-Held: Er kann vieles (glaubt er), wenig gelingt ihm, zum Glück verlässt das Glück ihn nie gänzlich und er eifert in Sachen Beziehungen gerne den Leinwandvorbildern a la Bond nach: Letztendlich aber bleibt er bei seiner Lotte.


Haben Ihre Bücher ein Anliegen?
Lesern für kurze Zeit eine Ersatzheimat zur Verfügung zu stellen, in der sie sich wohlfühlen. Etwas Spaß in diese anstrengenden Zeiten zu tragen, wie eine Kerze in die Nacht, manchmal auch zum Nachdenken anzuregen... auch der James lässt sich auf zwei Ebenen lesen - dass Vampire das Öl abpumpen aus blankem Eigeninteresse ist nicht nur dahin geschrieben. Auch heute gibt es noch Vampire - sie ernähren sich aber nicht mehr von Blut.


Welches ist Ihr Lieblingscharakter?
Schwierig: James natürlich, der nie den Glauben daran  verliert, ein echt genialer Agent zu sein, Caruso, der sich in der Anti-Schmuse-Katzen-Bewegung engagiert und allen Forderungen und Erwartungshaltungen trotzt, aber auch der Nordwind: Er ist eine Art väterlicher Freund, den ich gerne an Nordseestränden treffe


Was sollen die Leser denken, wenn Sie das Buch fertig gelesen haben?
Das nächste bitte - aber schnell!
Wo ist das Mittel gegen Bauchschmerzen durch Lachkrämpfe.
Ich fühle mich gut.

 

Was hat Sie in Ihrer Jugend inspiriert?
Also gestern??? Ein Bekannter meiner Eltern namens Peter, der uns manchmal aus einem Gruselbuch vorlas - bei Kerzenschein und Pfeifenqualm. Außerdem spielte er Gitarre! Wintertage am Fenster - ein Buch in der Hand, Füße auf der Heizung... Einsame Spaziergänge durch den Wald - der Wald war mir wie ein Vertrauter, ich erzählte ihm alles, er überraschte mich oft. Und die Nordsee in jeglicher Form - Landunter auf Hooge war ein tolles Erlebnis.

In Punkto Musik : Musical, Rock, Pop, Liedermacher. Meine Gitarre.

 

Haben Sie ein Motto oder ein Zitat, das Sie begleitet oder Ihnen wichtig ist?
1.) Saint-Exupéry: "Du bist verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast."
2.) Novalis: "Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren sind Schlüssel aller Kreaturen, wenn die so singen oder küssen mehr als die Tiefgelehrten wissen (.....) dann fliegt vor einem geheimen Wort das ganze verkehrte Wesen fort"
Ich bin ein Suchender - stets auf der Suche nach dem geheimen Wort, damit die Welt endlich auf die richtige Bahn gerät.


Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?
In meinen Tagträumen an einem Schreibisch mit Blick auf die Nordsee und einen Stapel Leserbriefen, die ich beantworten muss, und mindestens fünf weiteren James K.-Büchern neben mir im Regal. Was nicht bedeutet, dass ich mich nicht auch einmal um einen anderen Helden kümmern könnte.  Nett wäre auch ein Kino-Abend mit dem neuen James-K.-Film....

Warum ist James auch für Erwachsene interessant?
James ist zweischichtig geschrieben, einige Stellen sind in all ihrer Bedeutung nur für Erwachsene zu erfassen, viele humorvolle Stellen werden Kinder überlesen, Erwachsene werden darüber lachen - und hoffentlich ist es an anderen Stellen genau andersherum. Eine alte Schreibtradition: Gullivers Reisen waren einst sozialkritisch und politisch gemeint - Kinder lesen sie heute als Abenteuerroman, Michael Endes Momo: Die grauen Herren, die die Zeit rauben... wenige Kinder werden das in all seiner Komplexität nachvollziehen können - trotzdem ein tolles Buch auch für Kinder. Und spannend ist der James für alle.


Was möchten Sie NIE als Fanpost bekommen? 
Kakerlaken, Briefe mit dem Hinweis: 'Heute weht kein Wind, ich gehe nicht zur Schule!', oder: 'Habe die ganze Nacht im Garten des Altenheims gesessen, aber keinen Drachen gesehen!', Steuernachforderungen.
Naja - ein wirklicher Fan der Bücher darf mir alles schicken und alles fragen, er darf nur nicht erwarten, dass ich auf alles eine Antwort gebe.


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